Era Domani

„Es war morgen“ – Mit diesem Titel macht Anthropologin und Filmemacherin Alexandra D’Onofrio auf die Gleichzeitigkeit von Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsorientierung dreier nach Italien geflüchteter Ägypter aufmerksam. In Zusammenarbeit mit dem Anthropologieinstitut der University of Manchester lassen Ali Henish, Mahmoud Hemida und Mohamed Khamis mittels kreativer Techniken ihre Fluchtgeschichte für sich und uns alle lebendig – und damit veränderbar – werden. Fragen, die sich ihnen aufdrängen, sind: Wie bin ich geworden, wer ich heute bin? Wie hätte ich werden können?

Das kollaborative Filmprojekt von Alexandra D’Onofrio, Mahmoud Hemida, Ali Henish, Mohamed Khamis bietet die Möglichkeit, Filmproduktion im Kontext von Migration kritisch zu hinterfragen und gemeinsame Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Unter welchen Bedingungen werden Dokumentarfilme im Kontext von Migration produziert? Wie sind die portraitierten Personen in den Prozess eingebunden? Welche Fragen eröffnen sich in Bezug auf Repräsentation und Machtverhältnisse?

Die Ägypter Ali Henish, Mahmoud Hemida und Mohamed Khamis lebten fast zehn Jahre lang ohne Papiere in Italien, ehe sie aufgrund einer Amnestie einen Aufenthaltstitel bekamen. Erst jetzt ist für sie der Gedanke an Hoffnungen und Träume wieder möglich. Doch der Blick in die Zukunft ruft jenen zurück in die Vergangenheit wach: Begleitet von D’Onofrios Kamera suchen alle drei markante Orte ihrer Flucht wieder auf und rekonstruieren in diesem kollaborativen Projekt in kreativen Schreibprozessen, fotografischen Überschreibungen, Collagen wie auch szenischen „Tatort“ besuchen ihre ersten Momente in Italien als Teenager nach ihrer Ankunft mit den Flüchtlingsbooten. Das Besondere daran: Die Macht der kreativen Verformung erlaubt es, alternative Ausgänge zu imaginieren: Was wäre, wenn…? Was wäre gewesen, wenn…?

„The life we end up living is only one amongst many other possibilities. When we wonder who we are, where we come from and where we are going, we are also asking ourselves who would we be and what would have happened if only life had taken a different route. Our life stories are re-crafted in the continuous dialogue between reality and possibility. Especially during moments of crisis, like when we find ourselves at a crossroads, and we need to choose which way to go, our imagined lives take hold of us again and question us. Art and creativity can help us retrace their existence.” (Pressbook)

Alexandra D’Onofrio

Als Kind eines italienischen Vaters und einer griechischen Mutter 1982 in London geboren, wächst Alexandra D’Onofrio in Großbritannien auf und studiert dort an der University of Manchester Visuelle Anthropologie. Neben Kurzdokus resultieren aus ihren Studien (BA, MA, PhD) längere ethnographische Dokumentationen: Caught in between Darkness and Light (2008) und unlängst Era Domani – It Was Tomorrow (2017).

Credits

REGIE: Alexandra D’Onofrio.
MITWIRKENDE: Mahmoud Hemida, Ali Henish, Mohamed Khamis.
ANIMATIONEN: Francesca Cogni.
SCHNITT: Antonio Augugliaro.
MUSIK: Dissòi Lógoi.
PRODUZENT: Drama and Anthropology at the University of Manchester.
GEFÖRDERT VON: Arts and Humanities Research Council

Weiterführende Literatur

Ginafilms: It was tomorrow. Press Book. Link