Festival 2022

Belonging.

Inncontro – Internationales Filmfestival der Vielheit lädt zum kritischen Austausch über Themen und Rahmenbedingungen von (Post)Migration, Flucht und Exil ein – in Form von internationalen Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Gesprächen, in denen die Perspektiven und die Handlungsmacht derjenigen im Mittelpunkt stehen, die migriert sind oder migrantisiert werden, die fliehen mussten oder müssen, die Rassismus erfahren oder von den Folgen aktueller menschenfeindlicher Migrationsregime betroffen sind.

Das Filmfestival 2022 steht unter dem Fokus „Belonging“.

Zugehörigkeit im Kontext von (Post)Migration zeigt sich als vielschichtiger, mehrdeutiger, eigensinniger und entgrenzter Prozess, als ein Ringen und Aushandeln, als etwas, das sich der Festlegung durch bürokratische Akte der Verteilung von Zugehörigkeitsrechten qua Pass oder Status entzieht. Von Positionen „zwischen den Stühlen“, der Selbstverständlichkeit von Mehrfachzugehörigkeiten in einer Realität „nach“ der Migration oder Zugehörigkeit als Sehnsuchtsort. 

Eröffnet wird das Inncontro wie stets mit einem historischen Blick auf den Themenschwerpunkt: Gölge – Zukunft der Liebe (1980) gibt dabei nicht nur Einblick in das Leben und die Identitätssuche einer sich entfaltenden 18-Jährigen. Sema Poyraz’ Coming-of-Age Geschichte im Vor-Wende-Kreuzberg zeigt auch auf, wie früh es bereits (Spiel)Filme gab, die die homogene Film- und Fernsehlandschaft in Frage stellten und (post)migrantische Lebensrealitäten abzubilden versuchten – Produktionen, die bis heute viel zu wenig von der ihnen gebührenden Aufmerksamkeit bekommen.

Vier weitere ausgewählte Dokumentar- und Spielfilme illustrieren die Vielfalt an möglichen Verhandlungen von „Belonging“ und stellen Fragen nach der Bedeutung von Sprache, Lebensgeschichte (Riz Cantonais 2015) und Familie (A Fish Tale 2019), aber auch nach den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die „Belonging“ in rassistischen Migrationsregimen erschweren (Silence Heard Loud 2022).

Futur Drei (2020), das preisgekrönte, autobiografische Regiedebüt von Faraz Shariat, beschließt das diesjährige Festival mit einem ebenso entschlossenen, dabei postmigrantisch-queeren Gegenentwurf zum konventionellen Kino, der durch seine Kraft, Sensibilität und Ästhetik begeistert und berührt.

Wir freuen uns auf ein eindrucksvolles Film- und Gesprächsprogramm und drei Tage voller intensiver Begegnungen und Reflexionen!

Filme 2022

Sema Poyraz, Sophokles Adamidis | DE 1980 | 92 min

Anna Konik |  PL 2022 | 71 min

Mia Ma | FR 2015 | 50 min

Emmanuelle Mayer | IL 2019 | 52 min

Faraz Shariat | DE 2020 | 92 min

Ausstellung 2022

Ausstellung von 17.-19. November 2022 im Leokino

Kurze Zitate, in eine historische Perspektive eingebettet, geben lebendige, überraschende, lustige bis traurig gestimmte und zugleich klare Antworten. Es sind Worte jeder, die – freiwillig oder auch nicht – „entheimatet“ sind. Die wahren heimat<loser?

Interviews von Jugendlichen und Erwachsenen sind der Kern der Ausstellung heimat<loser. Dazu kommt ein historischer Rückblick und politische Ausblick auf Fragen der rechtlichen Zugehörigkeit zu einer Gemeinde, einem Land. In den Interviews wurden vier Erlebnisweisen deutlich: „Fremde“, „Angekommene“, und „Mehrheimische“ stehen einer Generation gegenüber, die die Frage nach Zugehörigkeit (humorvoll) ad absurdum führt und in einer Realität „nach der Migration“ lebt, in der entweder alle oder niemand „zugroast“ ist.

Die Ausstellung heimat<loser wandert 2022 durch Tiroler Gemeinden. Begleitend dazu finden in Schulen Poetry Slam Workshops zum Thema Heimat statt. Texte und Bilder der Schülerinnen und Schüler fließen in die Wanderausstellung ein. 

Eine Ausstellung vom Zentrum für Migrantinnen und Migranten in Tirol – ZeMiT, Dokumentationsarchiv Migration Tirol – DAM und der Anlauf-, Service- und Monitoringstelle für rassismus- und diskriminierungskritische Arbeit in Tirol – ARAtirol.

Unterstützer*innen 2022