Inncontro Filmfestival 2026

zusammen.halten

05. – 07. November 2026 | Leokino Innsbruck

Inncontro – Internationales Filmfestival der Vielheit lädt zum Austausch über (Post-)Migration, Flucht und Exil ein – in Form von internationalen Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Gesprächen, in denen die Perspektiven und Handlungsmacht derjenigen im Mittelpunkt stehen, die migriert oder mehrheimisch sind, die fliehen mussten oder müssen, die Rassismus erfahren oder von aktuellen menschenfeindlichen Migrationsregimen betroffen sind.

Die diesjährige Ausgabe des Inncontro Filmfestival steht unter dem Titel zusammen.
halten und rückt damit Praktiken des Gemeinsamen in Zeiten der Krise in den Fokus. Gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen scheinen außerhalb unserer individuellen Handlungsmöglichkeiten zu liegen. Ausgehend von dieser Beobachtung fragt das Festival danach, welche Formen von Solidarität, Verbundenheit und kollektiver Praxis unter solchen Bedingungen notwendig sind.
zusammen.halten versteht sich in diesem Kontext nicht als eindeutige Handlungsanweisung, sondern vielmehr als ein offener und vieldeutiger Begriff: als Aufforderung, Beziehungen aufrechtzuerhalten, als Praxis des Widerstands gegen Vereinzelung sowie als Aushandlungsprozess darüber, wer mitgedacht wird und wer nicht. Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Frage, unter welchen Bedingungen Solidarität entsteht, wo ihre Grenzen liegen und wie sie in unterschiedlichen Kontexten, auch jenseits unmittelbarer Migrationserfahrungen, wirksam werden kann. Das diesjährige Programm versammelt Geschichten von Menschen, die sich verbinden, füreinander einstehen und gemeinsam Möglichkeiten für Veränderung schaffen.

Molkarin (1981) und Sudesha (1983) des Yugantar Film Collective erzählen von arbeitenden Frauen, die sich gegen Ausbeutung und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen organisieren. Über uns von uns (2024) begleitet sieben Teenagerinnen in Eberswalde zwischen Migration, Identität und Assimilationsdruck, die gemeinsam eigene Geschichten und Zukunftsbilder entwickeln. Die Möllner Briefe (2025) erinnert an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992 und fragt, wie Erinnerung aussehen kann, wenn die Perspektiven der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Baba, Ne Yapmayı Düşünüyorsun? (2026) erzählt von einem Vater und seinem Sohn und von Arbeit, Krankheit, Zugehörigkeit und familiärer Nähe. 100 Sunset (2025) begleitet zwei Frauen aus der tibetischen Community in Toronto zwischen Freundschaft und Selbstbestimmung. Everybody to Kenmure Street (2026) zeigt, wie Menschen in Glasgow gemeinsam eine Abschiebung verhindern. So unterschiedlich die Geschichten sind, verbindet sie die Frage, was möglich wird, wenn Menschen ihre Erfahrungen teilen und sich zusammentun.

 

DONNERSTAG, 05. NOV 2026 | 19:30 UHR

Das erste feministische Filmkollektiv Indiens Yugantar entstand 1980. In einer Zeit radikaler politischer Umbrüche in Indien schuf es semi-dokumentarische Kurzfilme. Sie dokumentierten feministische Kämpfe und gewerkschaftliche Organisierung von Arbeiterinnen und dienten zugleich als Anschauungsmaterial für die Agitation eben dieser Frauen.

MOLKARIN |YUGANTAR COLLECTIVE |IN 1981|25 MIN| OmeU
Der erste Film des Kollektivs, Molkarin, zeigt am Beispiel städtischer Hausarbeiterinnen in Puna den Prozess ihrer Gewerkschaftsgründung mit Protestversammlungen, Streiks und dem Austausch ihrer Erfahrungen mit Unterdrückung und Ausbeutung. Die Protagonistinnen der Bewegung waren hauptsächlich Dalit und migrierte Frauen aus ländlichen Regionen.

SUDESHA | YUGANTAR COLLECTIVE |IN 1983 |25 MIN | OmeU
Der zweite Kurzfilm, Sudesha, portraitiert eine Umwelt-Aktivistin, die sich in ihrem Dorf am Fuße des Himalajas beim Aufbau der Chipko-Bewegung gegen die Holzindustrie engagiert. Neben dem Schutz des Waldes stellen die Geschlechterverhältnisse oder der Alkoholismus vieler Männer die Öko-Feministinnen vor große Herausforderungen.

TALK (en)
Sujatha Subramanian (PhD), UIBK
Harshul Singh, decolonial anti-caste researcher

Seit 2018 eröffnet das Inncontro Film Festival mit einem „historischen“ Film, anhand dem die Kontinuitäten und Brüche in der filmischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Themenschwerpunkt diskutiert werden können. 

Rand Beiruty| DE 2024 | 95 min | OmdU
Schulvorstellung Freitag, 06. NOV 2026 | 09:00 Uhr

ÜBER UNS VON UNS dokumentiert das Leben von sieben jungen Migrantinnen, dieaus Ländern wie Syrien, dem Libanon und dem Irak nach Deutschland geflüchtet sind. Der Film spielt in Eberswalde, einer Ostdeutschen Provinzstadt in der Nähevon Berlin und begleitet die Teenagerinnen durch die herausfordernden Phasen des Erwachsenwerdens. Sie stehen vor den typischen Fragen der Jugend: Wer bin ich, und wohin gehöre ich? Doch durch ihre Migrationsgeschichte kommt die zusätzliche Herausforderung hinzu, ihre kulturelle Identität in der neuen Heimat zu finden. Dem Assimilationsdruck der deutschen Gesellschaft ausgesetzt, wünschen die jungen Frauen sich mehr Interesse an ihrer Herkunftskultur. Der Film gibt intime Einblicke in den Alltag
der Mädchen, ihre Kämpfe mit Sprachbarrieren, Diskriminierung, Rassismus und das Ringen um Selbstverwirklichung. In ihren Träumen sehen sie sich als Polizistin, Ärztin oder Flugbegleiterin. Eben diese werden in selbstgestalteten farbenfrohen Filmclips realisiert – bevor sie eines Tages hoffentlich in die Realität umgesetzt werden.

TALK mit Regisseurin Rand Beiruty

Bitte anmelden unter mail@inncontro.com

MARTINA PRIESSNER | DE 2025 | 96 MIN | OmeU
FREITAG 06. NOV 2026 | 17:00 UHR

In der Nacht vom 23.11.1992 starben in der deutschen Kleinstadt Mölln drei Mitglieder der Familie Arslan bei einem rassistisch motivierten Brandanschlag . İbrahim Arslan, der den Brandanschlag als Kleinkind überlebte, hat über Aktivismus und Zeug:innenarbeit an Schulen einen stärkenden Umgang mit den Folgen des erlebten Traumas für sich gefunden, der auch andere Betroffene rassistischer Gewalt motiviert und zur gemeinsamen Organisierung animiert. Ausgangspunkt des aktuellen Dokumentarfilms ist der Zufallsfund einer Studentin im Möllner Stadtarchiv, der einen weiteren Misstand zu Tage bringt: Nicht nur hielt die Stadt Tausende an die Betroffenen adressierte Briefe geheim, sie öffnete und beantwortete sie und gab vor, sie an die Trauerfamilie weiterzuleiten. Solidaritätsbekundungen, die, da ist sich İbrahim Arslan sicher, seiner Familie damals geholfen hätten. Er stellt den Bürgermeister und Archivar zur Rede – und veranlasst die Übersiedelung der Dokumente an das DOMiT (Dokumentationszentrumund Museum über die Migration) in Köln.

EINFÜHRUNG Tina Nardai, Journalistin (Videobotschaft)
FILMGESPRÄCH mit Protagnonist Namik Arslan

TOLGA KARAASLAN | AT/TR 2026 | 89 MIN | OmdU
FREITAG, 06. NOV 2026 | 20:00 UHR

Solidarität beginnt damit, hinzuschauen und zuzuhören, auch – und gerade – in der eigenen Familie. Der junge österreichische Filmregisseur Tolga Karaaslan gibt in seinem intimen Dokumentarfilm Baba, What‘s Your Plan? seinem durch Krebserkrankungen geschwächten Vater Raum, über sein Leben nachzudenken: Das zugleich einfache wie harte Landleben in der Türkei seiner Eltern, die Auswanderung nach Österreich, ein Studienabschluss, der nicht anerkannt wurde, das ‚klassische‘ Schicksal vieler Gastarbeiter*innen: jahrelange harte körperliche Schichtarbeit, ein Leben auf beengtem Raum mitten in der Stadt, gesundheitliche Probleme, Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit. Und die Erkenntnis von Vater und Sohn: „Wenn jemand in der Familie chronisch krank
wird, dann erkrankt die ganze Familie“.

EINFÜHRUNG Erol Yildiz, UIBK
FILMGESPRÄCH mit Regisseur Tolga Karaaslan

In Kooperation mit dem Institut für Erziehungswissenschaften  der Universität Innsbruck

KUNSANG KYIRONG| CA 2025 | 99 MIN | OmeU
SAMSTAG, 07. NOV 2026 | 17:00 UHR
ÖSTEREICHPREMIERE

100 Sunset spielt ausschließlich in Torontos „Little Tibet“, einer Nachbarschaft rund um Parkdale, in der die meisten Exiltibeter:innen in Nordamerika leben. Doch in Kunsang Kyirongs Spielfilm erleben wir keine stereotypen Kulturklischees, sondern das unaufgeregte individuelle Leben der Migrant:innen, für die die grauen Hochhäuser Parkdales vielfach die erste Wohnadresse in Kanada darstellen. Die schüchterne und wortkarge Kunsel stibitzt von ihren Nachbarn Wertgegenstände – darunter eine Videokamera, mit der sie aus dem Fenster ihres Apartments die neu eingezogene Frau im Haus gegenüber beobachtet, die unglücklich in ihrer Ehe ist. Just dieses Paar kommt allerdings in den Genuss des Dhukuti, ein traditionelles informelles Spar- und Kreditsystem in Tibet, bei dem – in diesem Fall – Nachbarn in einen gemeinsamen Topf einzahlen und in regelmäßigen Abständen rotierend eine:r von ihnen die Ersparnisse erhält, um Startkapital für ein besseres Leben zu gewinnen.

EINFÜHRUNG Kunsang Kyirong (Videobotschaft)

FILMLKATSCH mit Tara Tenzin Herbener (Tibet Film Festival)

In Kooperation mit dem Network of Areas der Universität Innsbruck

FELIPE BUSTOS SIERRA | UK 2026 | 120 MIN | OmeU
SAMSTAG, 07. NOV 2026 | 20:00 UHR
ÖSTERREICHPREMIERE

Es ist der Morgen des 13. Mai 2021 im Glasgower Stadtteil Pollokshields. Während die muslimische Community sich auf das Ende des Ramadans vorbereitet und einige wenige sich bereits auf den Weg zur Schule und Arbeit machen, werden zwei Migrant:innen in Zuge einer Razzia des britischen Innenministeriums abgeführt – allerdings nicht unentdeckt. Nachbar:innen beobachten den Überfall und solidarisieren sich spontan mit
den Inhaftierten. Sie belagern die Straße, kriechen unter den Polizeiwagen und machen somit ein Weiterfahren unmöglich. Was mit einer Person beginnt, entwickelt sich in kürzester Zeit dank der Verbreitung über Social Media zu einer Massendemonstration, in der jede:r sich auf seine/ihre Weise einbringt – die angrenzenden Geschäfte spendieren Wasser und Snacks, Nachbarn bringen Decken und leisten Erste Hilfe, die angrenzende Moschee stellt ihre Toilette zur Verfügung. Der Dokumentarfilm besteht aus Archivaufnahmen und Interviews mit Zeug:innen, einzelne Sequenzen werden nachspielt. Den erfolgreichen Widerstand gegen Abschiebungen verortet der Film vor dem Hintergrund von Glasgows Stadtgeschichte als Handelszentrum, das auf den
Profiten des transatlantischen Handels mit versklavten Menschen gründet

EINFÜHRUNG Felipe Bustos Sierra (Videobotschaft)
PANELTALK Paneltalk „Stop Deportation“ moderiert von Frauke Schacht

Rahmenprogramm

Ausstellung „Man will uns ans Leben“
ab Donnerstag 5. NOV 2026, 18:00 Uhr

Die Ausstellung handelt vom größten Fall rechtsterroristischer Gewalt im Österreichder Zweiten Republik. In den Jahren 1993 bis 1996 erschütterte eine Anschlagserie mit Briefbomben und Sprengfallen das Land. Eine umfassende historische Aufarbeitung der Terrorwelle und ihrer Folgen hat bis heute nicht stattgefunden.Die Anschläge hatten vier Tote, vier lebensgefährlich Verletzte und neun Verletzte zur Folge. Der Terror adressierte ausschließlich Minderheitenangehörige und ihre Unterstützer*innen.
Der folgenschwerste Anschlag fand im Februar 1995 im burgenländischen Oberwart statt, bei dem vier Roma-Angehörige einer Sprengfalle zum Opfer fielen. Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath und Peter Sarközi starben durch eine Explosion, als sie
eine Tafel mit der Inschrift „Roma zurück nach Indien!“ entfernen wollten. Der hier präsentierte Inhalt stellt nur einen kleinen Ausschnitt der gesamten Ausstellung „Man will uns ans Leben“ dar.

 

Inncontro Filmfestival x EAT-Network x Premierentage Afterparty
Freitag 6. NOV 2026, 23:00 Uhr

Das EAT network (‚Empower and Transform‘) ist ein feministisches Netzwerk, das 2022 in Innsbruck gegründet wurde, um das Nachtleben sicherer, inklusiver und diverser zu gestalten. Das Netzwerk vereint DJs, Produzent*innen, VJs, Awareness Staff und weitere
Kulturtätige und setzt sich für mehr Sichtbarkeit, solidarische Vernetzung und den Abbau struktureller Barrieren für Frauen, genderdiverse und queere Künstler*innen ein. Durch Community Building, Open Meetings, Workshops, Clubveranstaltungen
sowie Kooperationen mit lokalen Veranstaltungsorten und Institutionen trägt EAT aktiv zur Transformation der Clubkultur bei.
Im Rahmen des Inncontro Filmfestivals und der Premierentage spiegelt sich dieser Ansatz in der gemeinsamen Clubnacht wider: Um 23 Uhr werden Kurzfilme gezeigt, kuratiert vom Inncontro Filmfestival. Im Anschluss steht Dangermami an den Decks: Als Gründerin der Berliner Crew Femme Bass Mafia trägt sie maßgeblich dazu bei, aufstrebende Talente und die Berliner Bass-Szene zu fördern und einen Raum für die Community zu schaffen – von Dubstep und Drum and Bass bis hin zu Footwork.
Opening & closing powered by EAT

 

FILMKLATSCH
SAMSTAG 7. NOVEMBER 2026, 18:45 UHR
Manche Filme begleiten uns noch lange, nachdem wir den Kinosaal verlassen haben. Sie arbeiten in unseren Köpfen weiter und werfen Fragen auf, die nach Austausch verlangen. Dajana Mehadžić und Lukas Ladner laden hierfür zum Filmklatsch ein. Als
Special Guest ist die Expertin Tara Tenzin Herbener vom Tibet Film Festival Berlin vor Ort.

 

VORTRAG „Was kann ich tun, wenn mein*e Nachbar*in abgeschoben werden soll?“
SAMSTAG 7. NOVEMBER 2026, 19:30 UHR
An diesem Abend gibt die Antirepressionsgruppe Innsbruck einen Einblick in den
legalen Rahmen des Protests gegen Abschiebungen in Österreich. Es wir auch
ausreichend Raum für Fragen geben. Die Antirepressionsgruppe Innsbruck unterstützt
auf verschiedenen Ebenen: Rechtliche Beratung im Vorfeld, z.B. bei regelmäßigen
Rechtshilfeworkshops, emotionale Unterstützung von Repressionsbetroffenen
durch Begleitung, z.B. zur Polizei, zum Gericht oder zu anderen Behörden, rechtliche
Unterstützung durch grundlegende Beratung sowie Vermittlung von Anwält*innen.

 

PANELTALK „Stop Deportation“
SAMSTAG 7. NOVEMBER 2026, 22:00 UHR
Nach dem Film Everybody to Kenmure Street stellen wir uns die Frage: Wie schaffen wir es in Innsbruck, dass Solidarität nicht nur ein Gefühl, sondern handfeste Unterstützung wird? Der Film zeigt, wie eine Nachbarschaft in Glasgow durch entschlossenes, gemeinsames Handeln eine Abschiebung verhindert hat. Doch wie gelingt uns das in Innsbruck? Wir wollen aus den Erfahrungen lernen – nicht
nur aus den Erfolgen, sondern auch aus den Herausforderungen. Im Mittelpunkt stehen drei Perspektiven: rechtliche Unterstützungsmöglichkeiten, die Organisation und Nachhaltigkeit aktivistischer Initiativen sowie die Erfahrungen und Stimmen von
Menschen, die von Abschiebung bedroht sind. Ziel ist es, bestehende Strukturen zu nutzen, gemeinsam neue Wege zu schaffen und Betroffene aktiv einzubeziehen.
Unser Ziel ist es, keine abstrakten Debatten zu führen, sondern konkrete Schritte zuentwickeln. Was kann jede:r Einzelne tun, um Solidarität in unserem Alltag zu verankern?

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